Was war “Bock auf Klassik 09″?
Vorweg: Ich bin dankbar, dass ich an dieser Benefizveranstaltung für Ute Bocks Flüchtlingshilfe mitwirken durfte.

Ute Bock mit Künstlerpreis
Ute Bock sagte über diese Benefizveranstaltung: “Die Leute, die heute hier sein werden …, die kommen mit Flüchtlingen nie in Berührung. Jetzt ist einmal die andere Seite auch gefragt. Es geht gar nicht so sehr um’s Geld, es geht einmal ein bissl um’s Verständnis.” ( TV1.at – Das war Bock auf Klassik ).
Wie sehr die gute Ute damit Recht hatte, zeigte sich am spärlich erschienen Publikum. Heinz Fischer, Michael Häupl und Georg Kapsch fanden den Weg zur Veranstaltung nicht, obwohl sie auf allen Ankündigungen groß heraus gestellt waren. Ute Bock kann man ja auch aus parteipolitischem Klakül und aus wirtschaftlichen Gründen unterstützen, ohne wirklich Bock auf Klassik zu haben. Aber sind unter den Klassikfans tatsächlich so wenige Unterstützer der Flüchtlingshilfe zu finden? Maximal 150 Freunde der Klassik kamen, davon ein Drittel Künstlerfreunde.
Geld …
Bis dato wurde kein Spendenergebnis veröffentlicht. Warum blieb das zahlende und spendende Publikum aus?
Vielleicht war die Eintrittsspende von 55,-€ zu hoch, gibt es doch auch viele Klassikfans mit kleinem Börsel. Ob die Ankündigung der Veranstaltung ausreichend war? Dass die gedruckten Plakate keinerlei Programmhinweise enthielten, spielte keine Rolle, weil ohnedies kein Plakat auf den Strassen zu sehen war. Die statische Internetseite http://www.bockaufklassik09.at ermöglichte keinerlei Einbindung der web.20-Gemeinde. Ein CD-Verkaufstisch mit Werken von Ludwig Hirsch u.ä. lockte keine KäuferInnen / SpenderInnen an. Es wäre kleinlich die Liste organisatorischer Mängel fortzusetzen.
Dem lieben Maximilian Schöner sei für die überaus engagierte, Nerven und Kraft fordernde Organisation gedankt. Bei “Bock auf Klassik 10″ könnte er sich selbst und der Veranstaltung was Gutes tun, indem er Andere mit Rat und Tat mitwirken lässt. Mit einer breiten Vorbereitungsbewegung gibt’ auch eher einen finanziellen Erfolg für den Flüchtlingsverein von Ute Bock.
… und Verständnis
Die Musiker und Musikerinnen haben ihre Kunst unterhaltsam und grandios dargeboten. Klasse!
Das Konzertprogramm zeigte allerdings ein eingeschränktes Verständnis von Klassik. Diese endet nicht bei der Romantik. Nur das Altbekannte zu schätzen, das nenne ich konservativ. Unter den konservativen KlassikliebhaberInnn gibt es wohl nur wenige, die Toleranz und Verständnis für das Fremde haben. Gerade diese Benefizveranstaltung für Flüchtlinge sollte Verständnis zeigen für das Neue, das Andere, das Unbekannte, das Regellose, das Ergebnisoffene. Neue Musik kam aber nicht vor. Ich kann mir gut vorstellen, dass die FreundInnen der Klassischen Moderne und der Neuen Musik sich von diesem Programm nicht angesprochen fühlten. Ich habe das Vorurteil, dass es unter diesen Menschen auch eine größere Anzahl von UnterstützerInnen der Flüchtlingshilfe von Ute Bock gibt.
Wenn wir mehr Verständnis für Flüchtlinge in Österreich erwirken wollen, dann sollten wir auch selbst ein offenes Programm gestalten, das sich nicht nur auf erprobte Regelanwendung beschränkt.
Die Anfertigung des Künstlerpreises für Ute Bock und die Ausstellung im Rahmen von “Bock auf Klassik 09″ war mein Beitrag an zeitgenössischer Kunst im Rahmen dieser Benefizveranstaltung. Die sehr persönliche Ansprache und die Überreichung des “Preises der Künstlerinnen und Künstler für Ute Bock – Bock auf Klassik 09″ durch Andrea Eckert war berührend.

Andrea Eckert überreicht den Künstlerpreis an Ute Bock
Die Ausstellung selbst ist nicht angekommen. Es wurde nichts gekauft und nicht gespendet. Die KonzertbesucherInnen trafen auf ungegenständliche Kunst, die ” nicht einmal ignoriert” wurde. Die Kunstausstellung selbst wurde vom Veranstalter nicht sichtbar angekündigt. Ich konnte vor Ort keinen geeigneten Präsentationsraum erkämpfen, irgendwo standen Staffeleien mit den unbeleuchteten Bildern im Weg, die Kleinplastiken mußten dem CD-Verkaufsstand Platz machen. Niemand half den BesucherInnen zu einem Verständnis der ausgestellten Kunstwerke. Man scheute sich vor dem Fremden und ich war zu schwach ausreichend dagegen zu halten.

Facit: Wenn sich die Programmatik von “Bock auf Klassik” öffnet für ein Verstehenwollen des bislang Unbekannten, Neuen, Fremden, dann wird “Bock auf Klassik 10″ ein Erfolg werden. Dem Anlass der Veranstaltung würd’s ja entsprechen.
















